Digitalisierung des Arbeitsmarkts: Intermediäre, Infrastruktur und institutioneller Wandel

Ludwig-Maximilians-Universität München

Projekthintergrund

Die Digitalisierung der Arbeit führt nicht nur zu Veränderungen des Spektrums der über den Arbeitsmarkt zugänglichen Stellen, sondern auch der Methoden und Praktiken, mit denen sie vermittelt werden. Digitale Intermediäre haben weitreichende Transformationen der Vermittlungsprozesse am Arbeitsmarkt angestoßen: Online-Stellenbörsen (z.B. Monster, Stepstone) erleichtern die Stellensuche, Crowdworking-Plattformen (z.B. Upwork, Twago) organisieren Auftragsbeziehungen von Selbstständigen, Karrierenetzwerke (z.B. LinkedIn, Xing) eröffnen vielfältige Informations- und Kontaktmöglichkeiten.

Ihre Geschäftsmodelle richten sich sowohl auf das Feld der Personalvermittlung als auch auf die flexible Beschäftigung von Freelancern und Online-Arbeitenden. Traditionelle intermediäre Organisationen, vor allem Zeitarbeitsunternehmen und Personalvermittlungsfirmen, reagieren darauf mit eigenen digitalen Leistungsangeboten. Im Mittelpunkt des Projekts stehen die unterschiedlichen Digitalisierungsstrategien dieser Arbeitsmarktintermediäre im Kontext des globalen Wandels der Branche der Beschäftigungsindustrie. In primär makrosoziologischer Perspektive wird untersucht, welche Auswirkungen die dadurch geschaffene digitale Infrastruktur auf das institutionelle System des Arbeitsmarkts hat.

Fragestellung des Projekts

Ausgangspunkt der Analyse bilden die Digitalisierungsstrategien von intermediären Organisationen, die mit innovativen Geschäftsmodellen (Crowdworking, Jobbörsen, Netzwerk-Portale u.a.) ebenso wie auf der Basis klassischer Vermittlungsangebote (Zeitarbeit, Headhunting u.a.) die digitale Transformation des Arbeitsmarkts vorantreiben. Erforscht werden die Wechselwirkungen zwischen den Strategien der Intermediäre, den Operationsweisen der digitalen Infrastruktur und den institutionellen Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt. Ziel des Projekts ist die empirische Bestandsaufnahme dieses Transformationsgeschehens und die gesellschaftsanalytische Interpretation seines Veränderungspotenzials.

Der Analysefokus richtet sich zum einen auf den Zusammenhang der Digitalisierungsstrategien mit den Bestrebungen zur Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitsmärkte, die von der globalen Beschäftigungsindustrie seit langem verfolgt werden. Zum anderen geht es um ihre Implikationen für das bestehende institutionelle Gefüge (v.a. Arbeitsverwaltung, industrielle Beziehungen, Bildungs- und Sozialpolitik). Die Fokussierung der Vermittlungsprozesse am Arbeitsmarkt ermöglicht grundlegende Forschungsbeiträge zur Soziologie intermediärer Organisationen, zum Wandel der Plattformökonomie und zur Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse.

Empirisches Vorgehen

Die empirische Grundlage bilden Fallstudien von Intermediären und Entwicklungsszenarien der digitalen Infrastruktur, für die mit qualitativer Methodik Experteninterviews und Dokumentenanalysen durchgeführt werden. Im ersten Untersuchungsschritt erfolgt eine Diskursanalyse der strategischen Rahmensetzungen der globalen Beschäftigungsindustrie für die Flexibilisierung und digitale Transformation des Arbeitsmarkts. Die zweite Phase umfasst Fallstudien zu den Digitalisierungsstrategien von traditionellen wie digitalen Intermediären, die eine ersten Überblick über das Transformationsgeschehen erlauben.

Mit vertiefenden empirischen Erhebungen werden im dritten Schritt grundlegende Entwicklungsszenarien der digitalen Infrastruktur erarbeitet. Auf dieser Basis können abschließend Interpretationen zu den institutionellen Folgewirkungen der digitalen Transformation entwickelt und mit Expert*innen im Feld diskutiert werden. Die theoretische Rahmung erfolgt mit gesellschaftsanalytischen Konzepten von Plattformen und ihren intermediären Funktionen, die sich breit gestreut in der Arbeits-, Organisations-, Technik- und Wirtschaftssoziologie finden; die abschließende Interpretation nimmt auf institutionenanalytische Ansätze der Arbeitsmarktforschung Bezug.

Prof. Dr. Hans J. Pongratz
Projektleitung

Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut für Soziologie

+49 89 - 2180-9884

Wir setzen auf unserer Website nur technisch notwendige Cookies ein. Eine Weitergabe von Daten an Dritte erfolgt nicht.

Datenschutz Impressum