Restrukturierende Effekte informationstechnischer Plattformen

Universität Stuttgart

Projekthintergrund

Aufbauend auf Studien zu dem Einsatz digitaler Plattformen in der Gig Economy und in klassischen betrieblichen Zusammenhängen möchte ich die restrukturierenden Effekte informationstechnischer Architekturen in heterogenen Arbeitswelten aus techniksoziologischer Sicht in den Blick nehmen.

Wie sich die Plattformisierung und Informatisierung von Arbeit fallweise ausspielt bzw. welche Eigenheiten informationstechnischer Strukturen dabei hervortreten, hängt aus dieser Perspektive wesentlich von den konkreten Implementationsweisen und den gegebenen sozioökonomischen Grundkonstellationen ab. Ob beispielsweise ein Großunternehmen durch die Einführung digitaler Arbeitsplattformen „wendig wie ein Start-up“ wird oder es eher zu einer Verhärtung der bürokratischen Abläufe kommt, bestimmt sich zu einem Gutteil aus den dort zuvor eingespielten Entscheidungs- und Austauschmustern.

Vor diesem Hintergrund plane ich, das Wechselspiel von Technikentwicklung und -aneignung in neuartigen Arbeitszusammenhängen (z.B. Cloud- oder Gigwork) und eher klassischen betrieblichen Kontexten (z.B. in Unternehmen der Automobilindustrie) zu untersuchen, um auf dieser Grundlage die Ambivalenzen (z.B. Entkopplung – Interdependenz, Transparenz – Kontrolle, Flexibilisierung – Standardisierung) der plattformzentrierten Arbeitskoordination herauszuarbeiten.

Fragestellung des Projekts

In der gegenstandsbezogenen Anwendung techniksoziologischer Zugriffsweisen sollen die unterschiedlich und ungleichzeitig ablaufenden Rekonfigurationsprozesse adressiert werden, die in den zu untersuchenden Arbeitskontexten durch die Einführung informationstechnischer Koordinationsstrukturen angestoßen worden sind. Dabei stehen drei Fragen im Fokus:

  1. Welche Qualitäten treten mit der intensivierten Informatisierung und Plattformisierung von Arbeit in den Vordergrund, die über eine Effektivierung bereits zuvor angestoßener Automatisierungsprozesse hinausgehen?
  2. Inwiefern unterscheiden sich die Wirkungsweisen informationstechnischer Koordinationsstrukturen in den jeweiligen Arbeitskontexten? Mit welchen Effekten geht die sozioökonomische Aneignung und Indienstnahme informationstechnischer Plattformen fallweise einher?
  3. Wie unterscheiden sich die konkreten Implementationsweisen und sozialen Aushandlungsprozesse in der Einführung neuer informationstechnisch gestützter Verfahrensweisen in den beobachteten Unternehmenszusammenhängen und Arbeitswelten?

Empirisches Vorgehen

Empirische und konzeptuelle Arbeiten werden iterativ ineinander verschränkt. Dadurch sollen typische Verlaufsformen im Wandel technikgestützter Arbeitskoordination sowie veränderte Balancen zwischen technischen und sozialen Strukturierungsleistungen in den beobachteten Arbeitskontexten herausgearbeitet werden.

In vergleichenden rekonstruierenden Fallstudien, die u.a. auf einer systematischen Auswertung von Dokumenten und Marktdaten sowie problemzentrierten Interviews basieren, sollen die restrukturierenden Effekte informationstechnisch gestützter Koordinations- und Entscheidungsstrukturen sowie die Reaktionsweisen und Adaptionsmuster der beteiligten Akteure untersucht werden.

Die gewonnenen empirischen Einsichten sollen mitlaufend typologisiert und konzeptionell verdichtet werden, um so die spezifisch neuartigen Qualitäten der plattformzentrierten Koordination heterogener Arbeitszusammenhänge in der digitalen Gesellschaft zu identifizieren.

PD Dr. Jan-Felix Schrape
Projektleitung

Universität Stuttgart

Abteilung für Organisations- und Innovationssoziologie

+49 711 - 685-81004

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