Der Post-Pandemische Digitalisierungsschub und Ungleichheit - (Un-)Gleiche Erfahrungen und arbeitsweltliche Trajektorien
Universität Osnabrück
Projekthintergrund
Covid‑19 wird häufig als Katalysator der digitalen Transformation der Gesellschaft – insbesondere des Arbeitslebens – bezeichnet. Die Forschung zu den Ungleichheitseffekten der Pandemie legt nahe, dass die Folgen des nachpandemischen Digitalisierungsschubs nicht für alle Beschäftigten gleich ausfallen. Das Projekt DigiCLASS2 hat das Ziel, diese Ungleichheiten systematisch aus Sicht der Beschäftigten zu analysieren.
Hierbei werden ihre Perspektiven entlang zweier Dimensionen untersucht: aktuelle Erfahrungen und Zukunftserwartungen. Durch die Erfassung der Sichtweisen der Beschäftigten auf die Digitalisierung entsteht eine Klassenzuordnung, die die Ungleichheiten in den Veränderungen der Arbeitswelt abbildet, die durch den nachpandemischen Digitalisierungsschub hervorgerufen werden.
Fragestellung des Projekts
Unter Anwendung eines klassenanalytischen Rahmens (Oesch) untersucht das Projekt, wie Beschäftigte den post pandemischen Digitalisierungsschub erleben, der die Arbeitswelt tiefgreifend transformiert. Wie erleben Beschäftigte unterschiedlicher Klassenposition den durch die COVID 19 Krise beschleunigten sozio- technologischen Wandel? Diese zentrale Forschungsfrage wird durch die folgenden Unterfragen adressiert:
1. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen in den Erfahrungen des beschleunigten digitalen Transformationsprozesses bei Mitgliedern derselben sozialen Klasse?
2. Welche Erwartungen haben Beschäftigte verschiedener sozialer Klassen hinsichtlich der digitalen Zukunft ihrer eigenen Arbeit im Kontext des post-pandemischen Digitalisierungsschubs?
Unter Rückgriff auf die Ergebnisse aus der ersten Förderphase von DigiCLASS können diese Fragen nur beantwortet werden, wenn die organisationale Ebene systematisch berücksichtigt wird. Wir fragen daher:
3. Wie beeinflussen organisationale Faktoren oder Politiken die Erfahrungen von Beschäftigten mit dem post-pandemischen Digitalisierungsschub?
Empirisches Vorgehen
DigiCLASS2 wird 18 qualitative Fallstudien zur Implementierung und Nutzung digitaler Technologien in drei „Arbeitswelten“ durchführen, die besonders stark von der COVID 19 Pandemie und dem anschließenden Digitalisierungsschub betroffen waren. Das Forschungsdesign beruht auf drei Säulen:
1. Auswahl der drei empirischen Felder: Gesundheitswesen, Fertigungsindustrie und Einzelhandel.
2. Nutzung des Klassenschemas nach Oesch, das Klassenpositionen über die verschiedenen Arbeitswelten hinweg vergleichbar macht.
3. Auswahl digitaler Anwendungsfälle, die die drei Grunddynamiken der Digitalisierung widerspiegeln, wie sie durch das Schwerpunktprogramm 2267 identifiziert wurden – Durchdringung, Verfügbarmachung und Verselbstständigung.
Phase 1 konzentriert sich darauf, wie Beschäftigte mit unterschiedlichen Klassenpositionen innerhalb eines einzelnen Unternehmens die für die jeweilige Fallstudie identifizierten digitalen Anwendungsfälle erleben.
Phase 2 richtet den Schwerpunkt auf einen vergleichenden Analyseansatz innerhalb jeder Arbeitswelt, indem die Fallstudien miteinander verknüpft werden.
Phase 3 besteht aus einem inter-arbeitsweltlichen Vergleich der klassenbezogenen Digitalisierungserfahrungen nach der Pandemie.
Prof. Dr. Hajo Holst
Universität Osnabrück
Insitut für Sozialwissenschaften
Dr. Isabell Mader
Universität Osnabrück
Insitut für Sozialwissenschaften
Ingo Singe
Universität Osnabrück
Insitut für Sozialwissenschaften