Grundlagen einer Kritik der politischen Ökonomie der Digitalisierung

FAU Erlangen-Nürnberg

Projekthintergrund

Abgesehen von Randerscheinungen sind Volkswirtschaftslehre und Neoklassik nach wie vor identisch, andere Ökonomiken nur als heterodoxe Bündel sichtbar. Werttheoretische Überlegungen zur Digitalisierung sind marginalisiert und meist eher soziologisch oder kulturwissenschaftlich geprägt, zudem in wesentlichen Punkten uneins.

Technofeudalistische Ansätze bestreiten den Wertcharakter von Daten und fassen deren Monetarisierung als Renten; kommunikationswissenschaftliche Gegenpositionen sehen umgekehrt selbst die Dateneingabe in sozialen Medien als wertbildende Arbeit. Ziel des Projektes ist es, die zentralen Begriffe der Arbeitswerttheorie neu zu bestimmen, um so die Grundlage eine zeitgemäße Kritik der politischen Ökonomie zu entwickeln.

Fragestellung des Projekts

Eine Werttheorie für das 21. Jahrhundert kann nicht einfach proklamiert werden, sondern ist notwendig eine Kritik der vorherrschenden Grenznutzentheorie. Das Projekt klärt daher, was von deren Kritik der Arbeitswertlehre zu halten ist, und kritisiert umgekehrt die Neoklassik als Grundlage vieler Soziologien der Digitalisierung.

Leitfragen sind: Inwiefern sind Informationen werthaltig und Informatik wertbildend? Wie ist nach Jahrzehnten der Debatten um Haushalts- und Frauenarbeit das Verhältnis von Produktion und Reproduktion zu bestimmen? Welchen Beitrag leisten Konzepte wie Überausbeutung zum Verständnis divergierender nationaler Werte der Ware Arbeitskraft, etwa bei den Coltan-Arbeiterinnen im Kongo?

Empirisches Vorgehen

Das Projekt verfolgt drei Anliegen. Erstens wird die hegemoniale Kritik der Werttheorie zurückgewiesen und gezeigt, dass Grenznutzentheorie und Neoklassik gerade im Hinblick auf Digitalisierung konzeptionelle Probleme haben. Zweitens werden die zentralen Debatten innerhalb der Kritik der politischen Ökonomie aufgearbeitet, um die Kategorien der Werttheorie neu zu bestimmen und die offenen Fragen nach dem Wert von Daten und Informationen zu klären.

Drittens führt dies zu Neubestimmungen des Verhältnisses von Produktion und Reproduktion, Ausbeutung und Überausbeutung sowie der Rolle des Staates bei der Wertbestimmung. Methodisch wird dabei theoriegeschichtlich und begriffsanalytisch gearbeitet.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Dr. Peter Schadt
Projektleitung
Nathan Weis

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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